16.02.2012 | Event, Lower Saxony

Biologe Dr. Hubert Farke: Südkoreas Watten sind hiesigem Watt ähnlich

Südkorea strebt ebenfalls den Status als Weltnaturerbe an. Der Referent zeigte Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf.

Jever/ml - Ist unser Weltnaturerbe Wattenmeer wirklich einmalig? Die Antwort darauf gab jetzt der Biologe Dr. Hubert Farke, der bis Ende letzten Jahres zum Team der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer gehörte und jetzt in Bremen im Ruhestand lebt.

Dr. Hubert Farke hielt in Jever einen Vortrag über Südkoreas Watten. WZ-FOTO: LübbeAuf Einladung der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (WAU) hielt er im Graf-Anton-Günther-Saal des Rathauses einen Lichtbildervortrag über Südkorea und seine Watten.

Mehrmals hatte er das Land bereist. Dabei stellte er viele Gemeinsamkeiten, jedoch auch gravierende Unterschiede der bis China reichenden Küste um das Gelbe Meer und der Nordsee fest.

Werner Menke hatte als Vorsitzender der WAU Jever zu Beginn den hier gut bekannten Gast und unter den Zuhörern auch eine Schulklasse des Mariengymnasiums willkommen geheißen.

2009 seien die Kriterien für eine Anerkennung des Watts an der Nordseeküste als Weltnaturerbe erfüllt und die Einmaligkeit nachgewiesen worden, sagte Dr. Farke. Während sich bei uns in jedem Jahr zehn Millionen Vögel im Watt, das aus den von der Nordsee getragenen Sedimenten bestehe, aufhielten, gebe es 10 000 Kilometer entfernt am Gelben Meer ähnliche Bereiche mit Schlick- und Sandwattflächen, darunter viele an Flussmündungen, Buchten und inmitten bergiger Inseln. Nach der Eiszeit sei das heutige Gelbe Meer nämlich zunächst Land gewesen, später aber vom angestiegenen Meeresspiegel eingenommen worden. Im westlichen Südkorea gebe es weder Sand noch Dünen, dafür aber Wattflächen um 1000 Felseninseln.

Salzwiesen und Priele wie hier, unzählige, jedoch andere Tiere als bei uns, nämlich Muscheln, Schnecken, Strudelwürmer, Pazifische Austern, Krabben, Krebse und selbst Fische, die in bis zu 60 Zentimeter tiefen Gangsystemen leben, gehören zu den Lebewesen am Boden. Selbst Tintenfische und Meeräschen sind dabei. Die Küstenbewohner, so zeigte der Referent auf Bildern, durchsuchen den Boden nach Meeresfrüchten, die in Säcken abgefahren werden und sich dann als schmackhafte und sehr abwechslungsreiche Mahlzeiten auf den Tellern wieder finden. Dass das Watt trotz intensiver Nutzung nicht zerstört werde, liege wohl am fehlenden Einsatz von Maschinen. Der Referent sprach auch von der Salzgewinnung, von Algenkulturen, Garnelenzüchtereien und Eindeichungen sowie vom East Asian-Australasian Flyway, einer Vogelfluglinie, die Südkorea berührt.

Unseren Kiebitz, Schnepfen, Schwarzgesichtlöffler, Mönchskraniche und den dort beliebten Löffelstrandläufer zeigten Farke?s Bilder. Wenn es auch einige große Info-Zentren für Besucher gebe, sei der Tourismus bisher unbedeutend, wohl weil die Südkoreaner nur sieben Urlaubstage im Jahr hätten. Ziel Südkoreas wäre, das dortige Watt ebenfalls zum Weltnaturerbe erklären zu lassen. Danach könne sich ein Tourismus mit Exkursionen wie am Watt der Nordseeküste langsam entwickeln.

Quelle: http://www.wzonline.de